Kultur- und Industriegeschichte

Mit der Errichtung des Eisenbahnnetzes Mitte des 19. Jh. hat sich ein geschlossenes Bild einer geologisch bedingten, bodenständigen Braunkohlen-, Glas-, Keramik-, Papier- und Textilindustrie entwickelt. Die Brennstoffversorgung war für diese Industrien existentiell. Deshalb kam der Braunkohlegewinnung eine besondere Bedeutung zu.

Der Braunkohlenabbau

Bedingt durch die Wirkung des Inlandeises der Elster-Eiszeit kam es zu Störungen der tertiären Schichten. Sand-, Ton- und Kohleschichten wurden in Form von Falten und Schuppen deformiert. Charakteristisch für den Muskauer Faltenbogen sind die zahlreichen parallel verlaufenden Senken, die man als Gieser bezeichnet. Sie entstanden durch Verwitterung und Schrumpfung der fast bis an die Erdoberfläche reichenden Braunkohlenflöze.Mit der Eröffnung der Grube Julius bei Wolfshain im Jahre 1843 begann die Geschichte des Braunkohlenabbaus im Muskauer Faltenbogen. Grund war der steigende Brennstoffbedarf der Tuchfabriken, Glaswerke und Ziegeleien in der Region. Der Abbau erfolgte vor allem im Tiefbau, dem so genannten Pfeilerbruchbau, und bei günstigen Lagerungsverhältnissen im Tagebaubetrieb. Während der 130-jährigen Geschichte des Braunkohlenbergbaus gab es im Bereich des Muskauer Faltenbogens über sechzig Gruben und Abbaufelder. Seit 1843 enwickelten sich viele Industriezweige. Neben den Bergbaubetrieben und Brikettfabriken entstanden u.a. Glashütten, Ziegeleien und in den umliegenden Städten größere Tuchfabriken. Deren wirtschaftlicher Stellenwert ist in der Gegenwart zurückgegangen.

Die Ziegeleien

Neben der Braunkohle wurde in der Vergangenheit auch Ton abgebaut. Da es mit der zunehmenden Industrialisierung zu einem erhöhten Bedarf an Ziegeln kam, entstanden aus den kleinen Feldziegeleien große Dampfziegeleien. Ein Zeugnis dieser Entwicklung ist die Ziegelei in Klein Kölzig, die von 1892/94 bis 1960 in Betrieb war. Charakteristisch für die Region sind die gelben Ziegel, die aufgrund des geringen Eisenoxidgehaltes der Tone ihre Färbung erhielten.

Die Glasindustrie

Mit der Waldglashütte in Friedrichshain wurde 1766 der Grundstein für die "gläserne Geschichte" im Muskauer Faltenbogen gelegt. Glas war eines der wenigen industriellen Produkte, dessen wichtigste Rohstoffe, nämlich feiner Glassand und anfangs das Holz für die Glasschmelze, das der Muskauer Faltenbogen selbst hatte. Holz wurde in späteren Jahren durch Braunkohle ersetzt. Mit Hilfe von Siemens-Generatoren wurden die erforderlichen hohen Temperaturen für die Schmelze erzeugt.

Standort Weißwasser/O.L.

Die Stadt Weißwasser/O.L. im Süden des Muskauer Faltenbogens war vor 100 Jahren in der ganzen Welt als Glasmacherstadt bekannt. Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren reichhaltige Rohstoffvorkommen an Quarzsanden und Braunkohle erschlossen worden. Die günstige Lage an der Eisenbahntrasse Berlin – Görlitz und die niedrigen Grundstückspreise trugen maßgeblich zur Entwicklung als Glasmacher- und Energiestandort bei. Im Jahre 1872 wurde die erste GlashütteZwahr, Neubauer & Co gegründet. 1881 folgten die Glashüttenwerke Hirsch, Jahnke & Co auf Initiative von Joseph Schweig, dessen Neue Oberlausitzer Glashüttenwerke Joseph Schweig & Co. nur wenige Jahre später zur größten Glasfabrik Europas aufstiegen. Die Ingenieurschule für Glastechnik nimmt in den 50er Jahren ihren Lehrbetrieb auf.

1987 werden in Weißwasser und Umgebung 60% des Wirtschafts- und Bleiglases sowie 20 % der Elektroenergie produziert.

Das Glasmuseum in der ehemaligen Villa Gelsdorf zeigt dem Besucher Exponate zum Lausitzer Glas des 19. und 20. Jahrhunderts, Glas für Wissenschaft und Technik, historische Werkstätten und Werkzeuge zur Glasherstellung, Glasverarbeitung und Glasveredlung sowie Spezialsammlungen von Prof. Wilhelm Wagenfeld und Friedrich Bundtzen.

Weißwasser ist eine Eishockeystadt. Aus dem 1932 gegründeten Verein „ Eissport Weißwasser“ gehen die „Lausitzer Füchse“ hervor. Die im Jahr 2013 eingeweihte neue Eisarena zieht Eissportbegeisterte aus der ganzen Region an. Unter der Woche kann man selbst seine Fähigkeiten im Schlittschuhlaufen ausprobieren.

Die „Waldeisenbahn Muskau“ ist eine weitere Attraktion. Die ehemalige Industriebahn mit dem Gründungsdatum 1897 und einer Spurweite von 600mm verläuft noch heute auf historischen Trassen. Sie verbindet Weißwasser mit dem größtenRhododendronpark Deutschlands in Kromlau und dem berühmten UNESCO Welterbe „Fürst-Pückler-Park“ Bad Muskau.

Für Kinder und Jugendliche bietet das KiEZ am Braunsteich Möglichkeiten zur Erholung und Freizeitgestaltung. Der Braunsteich wurde schon im 15. Jahrhundert künstlich angelegt, um für die eisenerzverarbeitende Keulahütte in Krauschwitz Wasser bereitzustellen. Ursprünglich wurde er durch den Rotwassergraben gespeist. Bedingt durch den Tagebau Nochten wird heute Tagebauwasser eingeleitet.


Ziegelei Klein Kölzig um 1945

Füllen der Hunte an der Schurre